Ein Staatsverständnis als etwas Festes zu bezeichnen – ist wohl der Traum aller derjenigen die den Status Quo als befriedigend empfinden. Aber Veränderungen in diesem Bereich sind auch eher im Bereich von Generationenfolgen als Legislaturperioden anzusiedeln..
Der Knackpunkt bleibt dabei stets die Frage – wer ist das „wir“, dass den eigenen Staatsbegriff definieren darf.
Hatte man vor 100 Jahren noch kein Problem das wir auf die männliche Bevölkerung, womöglich noch eines gewissen Standes, zu beschränken – so gerät praktisch jedes Land heut in Rechtvertigungszwang wenn weiterhin Frauen ausgeschlossen werden. – und die Legitimation für demokratische Entscheidungen im Nahraum geraten unter Druck sobald ein bedeutender Prozentsatz von „anderen“ nicht an Entscheidungen teilnehmen kann. Empört es die europäische Seele doch wenn in arabischen Staaten bis zu 95 % der Einwohner aufgrund anderer Staatsangehörigkeiten nicht wahlberechtigt sind.
Logische Folge der gewünschten Freizügigkeit innerhalb der EU-Staaten war somit auch ein unbeschränktes Wahlrecht von EU-Bürgern in ihren Wahlheimaten auf lokaler Ebene. Dies ist sicherlich Kind des Gedankens, das man als politischer Mensch sich dafür interessiert, was unmittelbar um einen geschieht – und man sich auf anderer politischer Ebene (Land) in erster Linie mit dem Herkunftsstaat identifiziert. Ob das jetzt immer so stimmt mag ich mal dahingestellt lassen. Sicherlich braucht man einfach viel mehr Zeit sich in einem neuen Land auf Landesebene einzustellen, – ob und welche Gebäude einem die Sicht auf den Wald gegenüber nehmen sollen, dazu fällt es doch sehr schnell und unmittelbar leicht eine Meinung zu haben.
Wenn man noch hinzunimmt dass im Diskurs die Möglichkeit am politischen Diskurs ein Menschenrecht darstellt. – muss man sich nur noch Fragen welche Rechtfertigung das exclusive „Wir“ noch hat.
PS: für eine Vorstellung in Zahlen
http://www.auslaenderstimmrecht-bs.ch/de/betrifft/index.php
Nun Mara, da zeigt sich der Unterschied zwischen dem Konzept des „europäischen Volkes“, vereinigt unter dem blauen Mantel der apokalyptischen Mantel-Madonna des europäischen Katholizismus und dem Konzept einer (in ihrem Grundverständnis eben israelitisch „erwählten“) „Willensnation“. Der Übertritt ins „wir“ verlangt in der Schweiz noch immer die Einbürgerung und ich finde das gut, weil es eine willentliche „Identitätsanstrengung“ ist weder das lateinische „ius soli“ Frankreichs noch das Multi-Kulti-Locker gehandhabte germanische ius sanguinis Deutschlands überzeugen wirklich in ihren soziologischen Ergebnissen.
Aus deinen Posts der letzten Zeit spricht wenigstens die Einsicht und der Wunsch, sich an und in der Eidgenossenschaft reiben zu wollen. Find ich gut.
Von: uertner am November 3, 2009
um 2:56
Der Link nach Basel ist typisch: Basel ist dem französischen näher, sein Tantenprotestantismus ist weltoffen bis zur Selbstaufgabe. In Basel werden auch gezielt Ausländer in den öffentlichen Dienst rekrutiert, damit der Türke seine Steuern mit dem Türken besprechen kann. Ob das der Integration, und wenn ja der „Integration“ wessen dient, steht auf einem anderen Blatt. Mir scheint die Basler wollen sich in Europa integrieren, aber mit soliden Transferleistungen aus der Schweiz (AHV, IV, etc.).
Von: uertner am November 3, 2009
um 3:02
@uertner
Das gehört halt auch zu einem Land und offensichtlich auch zu unserer Schweiz – die unterschiedlcihen Staatsverständnisse. Nicht jeder liebt den Begriff des Auserwählten. Abgesehen davon ist die jüdische Bedeutung dieses Auserwähltseins nicht im sinne von Belohnung sonder von Bürde (der 613 Gebote) zu sehen.
Aber ich finde Sie haben bei der Zitierung von frankophilen Baslern (und hier gehören sicherlich auch die Neuenburger dazu) etwas vergessen. Wahlberechtigt sollen alle werden die eine C-Bewilligung besitzen. Also weder Neubürger noch kürzlich zugezogene – sondern jene, die bereits seit Jahren/Jahrzehnten an diesem Ort leben und damit ihre Verbundenheit aufbauen konnten.
Es ist eine Form von Achtung dieser Menschen, dass sie darüber, was sie unmittelbar angeht, auch ein Mitbestimmungsrecht haben.
Was damit gewonnen werden sollte, andere ständig in den Senkel zu stellen, geht mir allerdings auch aus diesem Posting nicht wirklcih hervor.
Von: Mara am November 4, 2009
um 7:05
@Uertner: Schon mal den Eidgenössischen Finanzausgleich studiert? An einer Segregation von Finanzmotoren wie BS oder ZH hätten Hinterwäldler auf ihrer Uerte zuallerletzt ein Interesse. IV-Bezüger-Bashing ist allertiefstes WeWo-Niveau, nur um das auch mal loszuwerden. Und dann noch zum Thema: Daran führt kein Weg vorbei.
Von: ugugu am November 4, 2009
um 1:10
@mara
Auch die „eidgenössische Auserwähltheit“ ist eine Bürde: das von Dürrenmatt beschriebene Gefängnis, in dem die Wärter auf sich selbst aufpassen und aus dem Ausland Putzpersonal kommen lassen um die Gitterstäbe zu polieren. Ich habe nie behauptet, es sei „lustig“ Schweizer zu sein. Aber offensichtlich zählst du dich nun dazu, insofern: willkommen im Club: hier stellt man sich täglich dreimal gegenseitig in den Senkel. Dürrenmatt sah es glasklar: „Die Welt wird untergehen oder verschweizern: gemütlich wird in keinem der Fälle“. „Gemütlichkeit“ ist ja der Kernbegriff deutscher Leitkultur.
Von: uertner am November 4, 2009
um 6:34
@ugugu
Schon mal die Kriterien Steuermoral, Ehescheidungen, Tauglichkeitsrate und rationaler Umgang mit dem Steueraufkommen studiert?
Die nidwaldner Uertner hängen in jedem Punkt die Basler um Längen ab.
Von: uertner am November 4, 2009
um 6:37
Ein Beispiel für religiöse Integration in der CH
http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-45/artikel-2009-45-minarette-kontra-grenzen-der-religion.html
Von: uertner am November 4, 2009
um 10:07
@uertner
Was hat der link mit dem Thema der Wahlberechtigung zu tun?
Abgesehen davon kann man die Weltwoche gerne woanders verlinken – aber nicht hier..
Von: Mara am November 5, 2009
um 6:37