Verfasst von: Mara | Februar 8, 2010

“Moral” in einer Diskussion

Mit der Moral und der Ethik bei aktuellen politischen Entscheidungen ist das immer so eine Sache. Im Zweifel erheben alle Parteien den Anspruch das „Recht“ und „den Volkeswille“ auf seiner Seite zu haben.

Aber auch abstrakt das Recht ist ja nicht per se moralisch – und auch ein Volkswille wird nicht immer ethisch sein. Auch ist Moral ein sehr zeitlicher Begriff, der sich stetig ändert. Was gestern noch normal war, kann morgen unentschuldbar werden. Die einen haben es eher mit Kant – die anderen eher mit Hegel.

Höffe hat noch vor der Wirtschaftskrise und dem Datenklau in der Frage des moralischen Bürgers drei neue Kategorien geschaffen – die des Wirtschaftsbürgers, des Staatsbürgers und des Weltbürgers. (Die Rezensionen sind durchaus gemischter Meinungen. http://www.perlentaucher.de/buch/18544.html) .

Tja, inwieweit ist man bereit, die drei Kategorien bei seinen Urteilen zu vereinigen? Kann man die einfache These aufstellen:

Wer für die Minarettinitative stimmte handelte als Staatsbürger?

Wer sich als Schweizer über den Datenklau der deutschen Regierung aufregte handelte als Schweizer Wirtschaftsbürger?

Mit allgemein moralischen, ethischen Grundsätzen lässt sich hier aber wohl kaum mehr argumentieren – sind die Vorstellungen und Ausgangspositionen darüber was man unter „Ethik“, „Moral“ und „Rechtsstaatlichkeit“ begreift in den offenen Diskussion (meist leider auf Blogs) schon längst nicht mehr allgemein definierbar bzw. richten sich nach allgemeinen Definitionen.

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Antworten

  1. Vor allem müsste man sich irgendwann ja schon mal festlegen. Oder aber man sucht sich die gerade bequemste (Bürger) Rolle. Das ist natürlich ebenfalls eine Zeiterscheinung.. Mal so mal so..

  2. @walteranamur

    Ich glaube nicht, dass man für die unterschiedlichen Fragen immer diesselbe BürgerInnenperspektive haben muss. Bei manchen Themen liegen einem die Aussen- in manchen die Innensichten näher. – Nur die Diskussion mit den Anderen Standpunkten wird klarer, wenn man sich deren Perspektive vergegenwärtigt. Es gibt einen Binnenmoral zum Bankengeheimnis (wir lassen uns da nicht reinreden) und eine globale Perspektive (sowas geht halt nicht). Wenn man beide Diskussionsschienen vermischt gibt es nur ein Kuddelmuddel und Missverständnisse.

  3. Gut dargestellt, weshalb ich mich dieser Sicht anschliesse. Sicher ist nur der unablässige Wandel! So oder ähnlich heisst eine oft zitierte philosophische Sicht. Moral bzw. die Interpretation von Moral ist selbstverständlich einem unablässigen und unaufhaltsamen Wandel unterworfen. Z. B. Aufhebung der Apartheid Gesetze in Südafrika.

    Der moralische Aspekt von Bankgeheimnis und Schwarzgeld war über Jahrzehnte hinweg ein Thema über das man sich mehr schmunzelnd bei den Eliten und zornig in kleinen Debattengruppen der Linken unterhalten hat. Grosse Teile der Bevölkerung gingen eher nonchalant mit dem Thema um. Das “Herzblut” das wir persönlich in eine Diskussion, in eine Überzeugung einbringen, bestimmt unsere moralische Sichtweise zu diesem Zeitpunkt und damit will ich sagen, dass unsere innere Überzeugung und Äusserung zu moralischen Themen immer wieder anders ausfallen kann. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf jeden Fall.


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